Browse Tag

Werte

Werte (be)leben

Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.

Wilhelm von Humboldt, Gelehrter

Vor einigen Jahren begleitete ich ein Unternehmen, dass schon viele Jahre am Markt ist. In meiner Rolle als Agile Coach sorgte ich anfangs vor allem in den Entwicklungsteams dafür, dass bewusst auf agile Werte und Prinzipien geachtet wurde. Ich ließ Teams entscheiden, welche Werte sie für am wichtigsten und sinnvollsten hielten. Ich traf Vereinbarungen mit Führungskräften und einigte mich auf einige wenige Werte, die nun für alle galten. Diese wurden im Anschluss für alle Mitarbeiter sichtbar gemacht und immer wieder während Retrospektiven, den täglichen Stand-ups oder bei der Auswertung des Stimmungsbildes im Team bewusst vor Augen gehalten. Sie wurden zu einem wichtigen Bestandteil des Arbeitsalltags. Dies gelang dadurch, dass ich auch von den Führungskräften das Leben der Werte einforderte und jeder die Werte akzeptierte, dadurch dass sie gemeinschaftlich beschlossen wurden und als klare Leitplanken galten. 

Je stärker die Akzeptanz der Werte in den von mir begleiteten Abteilungen wuchs, desto mehr kam es an Schnittpunkten mit anderen Abteilungen zu einem Kultur-Clash. Zuerst löschte ich die Feuer im Kleinen. Dabei wurde jedoch immer deutlicher, dass die Firma mit ihrer langen Historie, den Abteilungssilos und diversen Führungswechseln keine klaren Unternehmenswerte benennen konnte. Anfänglich war ich froh, dass ich mit meiner Bitte, neue Werte für die Organisation zu erstellen, auf offene Ohren stieß. 

Weiterlesen

Das WIR beleben: agile wertbasierte Zusammenarbeit

In meiner täglichen Auseinandersetzung mit Führungskräften und Teams wird eines deutlich: Das Wissen um Werte ist elementar. In vielen Fällen scheint es jedoch, dass dem wirtschaftlichen Wert mehr beigemessen wird als den Werten. Unternehmerisches Handeln von Führungskräften hat oftmals einen klaren Fokus auf den Erfolg. Damit geht der Blick auf die Grundlage ihrer Entscheidungen verloren: nämlich auf die Werte, auf denen die Entscheidungen des Einzelnen und der gesamten Organisation beruhen.

Wertvorstellungen bestimmen, worauf wir achten, wie wir etwas gewichten, interpretieren, entscheiden, miteinander leben oder mit Konflikten umgehen. Werte sind Verhaltenstreiber, die benennen, was erstrebenswert ist. Durch Werte gelangen Menschen vom Denken zum Fühlen ins Handeln.

Gibt es überhaupt so etwas wie „agile Werte“? Wahrscheinlich nicht. Es sind Werte. Für mich sind agile Werte diejenigen Wertbegriffe, die sich durch die Verwendung des agilen Rahmenwerks Scrum etabliert haben. In der deutschen Fassung des Scrumguide, der Scrum definiert, steht geschrieben:

“Wenn die Werte Selbstverpflichtung (Commitment), Mut, Fokus, Offenheit und Respekt durch das Scrum-Team verkörpert und gelebt werden, werden die Scrum-Säulen Transparenz, Überprüfung und Anpassung lebendig und bauen bei allen Beteiligten Vertrauen zueinander auf.”

Und weiter heißt es:

“Der erfolgreiche Einsatz von Scrum beruht darauf, dass alle Beteiligten kompetenter bei der Erfüllung dieser fünf Werte werden.”

Für die Arbeit in Kundenprojekten nutzen wir die fünf Scrum-Werte in Ergänzung der Werte Vertrauen, Kommunikation und Feedback. Zusammen verkörpern diese 8 Werte alles, was für die Zusammenarbeit in einer agilen Organisation oder innerhalb eines agilen Teams notwendig ist.

Was es bedeutet, die o.a. agilen Werte zu leben und mit Inhalt zu füllen, möchten wir anhand der nachfolgenden Tabelle beispielhaft verdeutlichen*. Sie können diese Aufstellung beispielsweise dazu nutzen, um innerlich Ihre eigene Situation abzugleichen oder in die Auseinandersetzung mit ihren Mitarbeitern oder Kollegen zu gehen:

Weiterlesen

8 Werte für die Helden der Arbeit

Als ich vor vielen Jahren in einer Agentur als Projektmanager arbeitete, war mein Arbeitsalltag von vielen persönlichen Tiefschlägen, harten Auseinandersetzungen, Bevormundung, Misstrauen, Überstunden sowie durch das Anzweifeln meiner Fertig- und Fähigkeiten geprägt. Es ging nicht nur mir so. Es herrschte eine gelebte Angstkultur, anhaltender Druck und das ständige Gefühl, nichts richtig zu machen oder entscheiden zu können. Meine anfängliche Euphorie, etwas bewegen zu können, schwand jeden Tag und ich stellte mir oft die Frage: Ist das jetzt mein Arbeitsleben?

Nachdem ich die Agentur hinter mir gelassen hatte und eine neue Stelle annahm, passierte das Beste, was mir zur damaligen Zeit passieren konnte. Ich kam in Berührung mit Scrum. Für mich eröffnete sich eine ganz neue Welt. Ich saugte förmlich alles zum Thema auf. Agilität wurde für mich zum Inbegriff des Arbeitens und ich war so froh, dass der Mensch in den Vordergrund rückte. Für viele meiner damaligen Kollegen war es ein Neuanfang. Es war eine ganz besondere Atmosphäre und ich spürte, dass meine Wertvorstellungen auf Gleichgesinnte trafen. Seitdem ist für mich klar, dass es nichts Wichtigeres für den Unternehmenserfolg gibt, als die Menschen dahinter und die Freiheit, Werte zu leben.

Mittlerweile haben sich die Rahmenbedingungen durch die voranschreitende Digitalisierung und Dynamik der Märkte für Unternehmen stark verändert. Der notwendige Wandel und die damit einhergehenden Lernzyklen müssen in immer kürzer werdenden Zeitabständen erfolgen. Durch die starke Verdichtung zählt vor allem der schnelle oder nächste Erfolg. Doch ich bin der festen Überzeugung: Legt ein Unternehmen keine solide Basis für eine Wertekultur und hinterfragt es nicht alte Denkmuster, ist es in kritischen Phasen und zunehmend unsicheren Zeiten unzureichend aufgestellt.

Weiterlesen

Gewohntes

Laufen Sie immer im Uhrzeigersinn? Mir ist vor einigen Jahren aufgefallen, dass ich einige Dinge nicht so mache wie andere. Beim Joggen laufe ich zum Beispiel immer gegen den Uhrzeigersinn. Mein innerer Kompass bestimmt das eigenständig. Aus Gewohnheit. Letztens musste ich meine Route ändern und lief am Ende ein Teil der Strecke im Uhrzeigersinn. Mir wurde bewusst, wie bereichernd das war. Ich sah vieles zum ersten Mal und entdeckte die Laufstrecke aus einem ganz anderen Blickwinkel. Diese Erfahrung brachte mich auf die Idee zu diesem Artikel.
Im Arbeitsleben läuft vieles auch sprichwörtlich im Uhrzeigersinn. Häufig werde ich als Berater oder Coach dazu geholt, um die Richtung zu hinterfragen und neue Wege zu erarbeiten oder aufzuzeigen. Das ist gar keine so leichte Aufgabe. Ich zitiere oft folgendes Ergebnis einer medizinischen Studie: Schwerkranken Herzpatienten wurde gesagt, dass sie sehr wahrscheinlich bald sterben würden, wenn sie ihre Gewohnheiten nicht ändern, bspw. durch Sport, gesündere Ernährung oder Verzicht auf Alkohol. Lediglich einer von sieben Patienten schafft es wirklich, einen neuen Weg einzuschlagen. 

Weiterlesen

Vertrauen

„Misstrauen ist ein Zeichen von Schwäche.” 
// Mohandas Karamchand Gandhi, Rechtsanwalt

Die neue Quartalsplanung wird mit einem zwei-tägigen Offsite eingeleitet. Die Manager die daran teilnehmen haben vorab von ihren Teams die neuen OKRs (Objectives and Key Results) eingesammelt. Nachdem sich alle in der großen Runde anderthalb Tage abgestimmt, ausgetauscht und verhandelt haben, kommt am Nachmittag des zweiten Tages der CEO dazu. Das aktuelle Ergebnis wird vorgestellt, debattiert, zerrissen und am Ende mit einem anderen Resultat im Sinne des CEO verabschiedet. 

Für den ein oder anderen Leser mag dieses Vorgehen altbekannte Routine sein. Die Teams werden nach eigenen Zielen gefragt, die sich an den definierten Jahreszielen orientieren. Doch durch vorhandene Machtstrukturen, Kontrolle und Entscheidungsbefugnisse wird der Grundgedanke der Partizipation sofort wieder zunichte gemacht. 
Für mich zeigt das genannte Beispiel, dass den Mitarbeitern nicht zugetraut wird, die richtigen Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen. Im Alltag kann dies dazu führen, dass das Management zum Bottleneck wird, da immer alles von “oben” abgesegnet werden muss. Oftmals geht dies einher mit Mitarbeitern, die damit beschäftigt sind, Folien zu erstellen und diese in diversen Runden vorzutanzen. 

Weiterlesen
  • 1
  • 2