Agile Werte (er)leben auf dem Agile by Nature CAMP 2018

Zum vierten Mal fand das Agile by Nature CAMP in der schönen Lüneburger Heide statt. Auch in diesem Jahr gab es wieder einen knallbunten Blumenstrauß an interessanten Themen. Neben den vielen Sessions zum richtigen Einsatz von Scrum oder Kanban, widmeten Laura (www.improve-coaching.de) und ich uns der Frage, wie wir agilen Werte für Teams erlebbar machen können. In zwei Sessions (unterstützt von @detklu) ging es ans Eingemachte, um jeden Menge Komfortzonen-Erweiterung und vor allem um Spaß.

Die Teilnehmer konnten während der Sessions am eigenen Leib erfahren, welche Konzepte und Übungen aus dem Improvisationstheater im Alltag helfen, um Teams agile Werte und Prinzipien näher zu bringen. Im Anschluss an jede Übung wurden die Teilnehmer dazu befragt, wann sie diese Übung einsetzen würden und welcher agile Wert vor allem angesprochen wird. Wir haben es den Teilnehmern dabei frei gelassen, welche Werte sie nennen.

Das Thema Agile Werte werden Laura und ich noch tiefergehend betrachten. In einem gemeinsamen Buchprojekt, dass im kommenden Jahr erscheinen wird, stellen wir Techniken aus dem Improtheater für den Alltag mit agilen Teams vor. Der aktuelle Arbeitstitel lautet „Agile Werte erlebbar machen – Mit wertvollen Techniken und Übungen aus dem Improvisationstheater die Zusammenarbeit verbessern“. Etwas weiterführende Informationen gibt es hier.

Weitere Bilder zum Agile by Nature CAMP 2018 sind hier zu finden.

Wir sind agil. Wir arbeiten mit Scrum!

„Changing practices is one thing; changing minds is quite another.“ 
// Mike Cohn

„Wir nutzen ein Kanban. Wir sind agil.“ Egal wie man es dreht oder wendet, diese Aussagen höre ich oft in Erstgesprächen oder während meiner Begleitung bei Kunden. Eine Trainingsteilnehmerin sagte letztens passend zu Beginn: „Ich würde gerne wissen, ob da noch mehr ist, als Post-its hin und her zu schieben.“ 

Sehr viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren lediglich der Methodik zugewandt. Die Mitarbeiter blieben dabei auf der Strecke. Trotzdem finden sich in jeder Selbstdarstellung – neben dem reichhaltigen Obstangebot – eine Reihe an Schlagworten, die ein „agiles Bild“ mit entsprechenden „Mindset“ zeichnen. „Agil“ bedeutet dann zum Beispiel in der Praxis, dass Scrum „passend gemacht“ wird, die Vorgesetzten Selbstorganisation verordnen, die Führungskräfte denken, dass sie sich nicht verändern müssen, Teams nicht autonom entscheiden können oder interdisziplinär aufgestellt sind und Hierarchien auf- anstatt abgebaut werden. Vieles davon läuft in Kombination mit politischen Rangeleien, Intransparenz, schlechter Kommunikation, fehlender Vision, nicht gelebter Fehlerkultur oder Veränderungswille. 

All das ist Alltag und zeichnet ein ganz anderes Bild, als die Selbstdarstellung der Unternehmen nach außen. Scrum löst diese Probleme nicht, sondern macht sie sichtbar. Nur Menschen können diese Probleme lösen. Die Mitarbeiter erlangen in den oben beschriebenen Szenarien eine wesentliche Erkenntnis: So nicht! Und diese Haltung kann sehr viele Facetten haben. Aber zum Glück sind wird ja agil! 

Einmal im Quartal halte ich meine Leser mit einer persönlichen Randnotiz zu agilen Themen auf den Laufenden. Lesen Sie mit und melden Sie sich hier an.

Mach mehr Fehler!

„There’s a way to do it better – find it.“ 
// Thomas A. Edison

Edison hat tausende Materialien ausprobiert, um den Glühfaden für die Glühlampe zu finden. Bei einem der Versuche sagte sein Assistent zu ihm „All deine Versuche sind fruchtlos – wir haben nichts gelernt und erreicht. Ich bin mir nicht sicher, dass wir die Elektrizität für diesen Zweck nutzen können“. Edison antwortete darauf gelassen: „Oh, wir haben so Vieles während dieser Zeit gelernt. Wir wissen jetzt, dass wir tausende Elemente nicht nutzen können, um eine Glühbirne zu entwickeln.“

Oft kommt es mir so vor, als wollten Unternehmen Fehler ganz vermeiden oder nicht akzeptieren. Eine Fehlerkultur ist jedoch der Motor, um sich ständig weiterzuentwickeln. Dass Fehler gemacht werden, ist der erste Schritt der Weiterentwicklung, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint. Sicher ist doch wohl, dass Mitarbeiter Fehler nicht gerne und schon gar nicht absichtlich machen.

Das Anerkennen von Fehlern, die Suche nach Verbesserung und ständiges Inspizieren ist der Grundbaustein, um sich weiterzuentwickeln und eine Kultur des Vertrauens und der Innovation zu fördern. Gerade in der heutigen Zeit, ist dies ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. 

So, let’s make better mistakes tomorrow! 

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Mach’s mit Liberating Structures

Seitdem ich Liberating Structures kennengelernt habe, nutze ich sie nicht nur für jegliche Art von Workshops, sondern vor allem auch für Retrospektiven. Für mich ist es immer wichtig, die beteiligten Personen bestmöglich und zielgerichtet zur Selbstorganisation und zum Selbstmanagement zu bewegen. Dies gelingt mit den 33 Mikrostrukturen perfekt, die ein sehr weites (wenn nicht unbegrenztes) Spektrum an Einsatzmöglichkeiten abdecken. Egal ob Retrospektive, Team Meeting, Entscheidungsfindung, Strategiemeeting oder Anforderungspriorisierung, die Strukturen helfen dabei, Menschen zum Mitmachen zu bewegen und sinnvolle Ergebnisse zu erzielen – sie brechen bestehende Strukturen auf. Für jeden Moderator ist das reichhaltige Menü an Strukturen ein gefundenes Fressen, um Teilnehmer jeder Gruppengröße einzubeziehen und ihnen die Kontrolle über die Ergebnisse zu übergeben. Durch die vorgegebenen Zeiten geschieht dies in einem klaren Rahmen und beeindruckenden Tempo.

Ein Gefühl von Langeweile

Bekannte Strukturen, wie bspw. Meetings, laufen in den häufigsten Fällen so ab: eine Person spricht, während viele sprichwörtlich in der Nase bohren. Ich habe Personen in Meetings schlafen, auf ihrem Telefon rumspielen oder wehmütig aus dem Fenster blicken sehen. In der Regel gibt es fünf Arten von Meetings. Präsentationen, Status Reports oder geführte Diskussionen führen oftmals zu dem von mir oben beschriebenen Szenarium. Einer redet – die anderen hören zu. Vieles von dem was da „präsentiert“ wird, ist oftmals auch von Einzelnen erdacht und in ein enges Format gepresst. Darüber hinaus gibt es noch die offen Diskussionen oder Brainstorming-Sessions, bei denen der Rahmen unter Umständen gänzlich fehlt.

In diesen Situationen raufe ich mir als Teilnehmer die Haare. Ich habe es immer als schlimm empfunden, wenn die Menschen sich nicht beteiligen konnten, etwas „zum Fressen“ vorgeworfen bekamen. Wenn auch wirklich alles dafür getan wurde, dass sich Kreativität nicht entfalten kann oder Wissen nicht genutzt wurde. Frontbeschallung eben.

Wie oben schon erwähnt, möchte ich in diesem Artikel das Beispiel einer Retrospektive anführen, um einen kleinen Einblick in die Nutzung der befreienden Strukturen zu geben.  Keep Reading