Der Agile Scrum Master Projekt Manager

Während meiner Arbeit in unterschiedlichen Unternehmen komme ich regelmäßig mit Scrum Mastern über ihre Rolle ins Gespräch. Der Ausgangspunkt sind häufig unklare Erwartungen an die Scrum Master, Unsicherheit was die Rolle angeht oder gefühlte Machtlosigkeit der Rolleninhaber. Woraus resultieren diese Probleme bei einem so einfachen Rahmenwerk wie Scrum? Meine Erfahrungen zeigen, dass viele Unternehmen Scrum lediglich team- oder abteilungsintern etablieren oder ihre existierende Projektmanagement-Methode gegen Scrum eintauschen, ohne die damit einhergehenden notwendigen Änderungen in der Organisation zu berücksichtigen. Dies hat zufolge, dass die Scrum-Teams bis zu einem gewissen Grad gut funktionieren, der Rest der Organisation aber unverändert beim Altbewährten bleibt. Gerade bei aufkommenden Herausforderungen und Unsicherheiten greifen Unternehmen gerne auf über Jahre etablierte, gelernte und gelebte Vorgehensmodelle zurück, was einen großen Druck auf die Scrum-Teams ausübt. Das Loslassen fällt vielen Unternehmen schwer und schnell fallen Sätze wie „Scrum funktioniert bei uns nicht“ oder keiner kann mehr etwas von „agil“ hören.

„If you find that your organization can’t make the hard decisions that Scrum demands, then high-risk, uncertain projects have very little probability of success in your organization.“ (Jim Highsmith)

An dieser Stelle ein kurzes Beispiel, dass ich vor einigen Jahren selbst erlebt habe. Ich arbeitete in der Software-Entwicklungsabteilung in der Rolle als Scrum Master. Bei der Einstellung legte ich Wert darauf, dass ich dem CTO direkt unterstellt bin, um mehr Durchschlagskraft zu haben und keiner Hierarchie-Kaskade zu folgen. Nach einiger Zeit begann ich, meine Fühler auch in andere Abteilungen auszustrecken. Nicht aus Langeweile, sondern weil es ein sinnvoller Schritt war. Es herrschte nämlich ein starkes „Wir“ und „Die“ im Unternehmen, dass ich aufzubrechen versuchte. Nach einigen erfolgreichen gesamtorganisatorischen Veränderungen, einschließlich aufgeklärter Mitarbeiter außerhalb der „IT“, wurde mir dann durch meinen Vorgesetzten zu verstehen gegeben, dass mein zu Hause in der Software-Entwicklung sei. Ergo „Die“ (anderen Abteilungen) sollten ihre Probleme alleine lösen. Mit dem Effekt, dass die gestartete Veränderungen, das erlangte Vertrauen in die IT und das Verständnis von „Agilität“ sich Schritt für Schritt zurückentwickelten.

Ein weiteres Beispiel zum unklaren Rollenverständnis der Scrum Master. Kürzlich entdeckte ich folgende Stellenausschreibung:

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Meine Top 3 der LKCE 2018

Mit der Frage, was ich von der diesjährigen LKCE’2018 mitgenommen habe, tue ich mich schwer. Warum? Bei vielen der Talks ging es ums Coaching, um die Betonung, das Werte und Prinzipien wichtig, dass Führungskräfte umdenken und vorleben müssen oder das die Menschen ein Wesentlicher Bestandteil von erfolgreichen Veränderungsprozessen sind. Klingt nicht wirklich neu. Und schon gar nicht nach Kanban. Letztendlich hat es aber doch ganz viel damit zu tun. Für mich wird eine Entwicklung sichtbar, die ich wieder herbeisehne und für die gerade die richtige Zeit zu sein scheint: Die Besinnung auf Menschen, Werte und Prinzipien. Führung auf jedem Level.

Meine Highlights der Konferenz im Kurzdurchlauf.

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Newsletter: 10 Jahre Scrum

„Success is not delivering a feature, it is learning how to solve a customer’s problem.“ 
// Eric Ries

Ich habe letztens festgestellt, dass mich Scrum mittlerweile über 10 Jahre in unterschiedlichen Unternehmen und Kontexten begleitet. Ein guter Zeitpunkt, um eine kurze Wasserstandsmeldung zu wagen.   

Meine agile Reise fing 2008 an. Ich erzähle noch heute immer wieder gerne von meiner Begeisterung, als ich die ersten Vorträge hörte, das erste Team als Scrum Master begleitete und wie die Sogkraft von Scrum immer stärker wurde. Daran hat sich bis heute auch nichts geändert. Für mich waren vor allem die Werte und Prinzipien des Agilen Manifests hinter Scrum der ausschlaggebende Punkt meiner steigenden Wissbegierde und starken Verbindung. Endlich steht der Mensch im Vordergrund. Egal ob im Unternehmen oder als Kunde.  

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Agile Werte (er)leben auf dem Agile by Nature CAMP 2018

Zum vierten Mal fand das Agile by Nature CAMP in der schönen Lüneburger Heide statt. Auch in diesem Jahr gab es wieder einen knallbunten Blumenstrauß an interessanten Themen. Neben den vielen Sessions zum richtigen Einsatz von Scrum oder Kanban, widmeten Laura (www.improve-coaching.de) und ich uns der Frage, wie wir agilen Werte für Teams erlebbar machen können. In zwei Sessions (unterstützt von @detklu) ging es ans Eingemachte, um jeden Menge Komfortzonen-Erweiterung und vor allem um Spaß.

Die Teilnehmer konnten während der Sessions am eigenen Leib erfahren, welche Konzepte und Übungen aus dem Improvisationstheater im Alltag helfen, um Teams agile Werte und Prinzipien näher zu bringen. Im Anschluss an jede Übung wurden die Teilnehmer dazu befragt, wann sie diese Übung einsetzen würden und welcher agile Wert vor allem angesprochen wird. Wir haben es den Teilnehmern dabei frei gelassen, welche Werte sie nennen.

Das Thema Agile Werte werden Laura und ich noch tiefergehend betrachten. In einem gemeinsamen Buchprojekt, dass im kommenden Jahr erscheinen wird, stellen wir Techniken aus dem Improtheater für den Alltag mit agilen Teams vor. Der aktuelle Arbeitstitel lautet „Agile Werte erlebbar machen – Mit wertvollen Techniken und Übungen aus dem Improvisationstheater die Zusammenarbeit verbessern“. Etwas weiterführende Informationen gibt es hier.

Weitere Bilder zum Agile by Nature CAMP 2018 sind hier zu finden.

Newsletter: Wir sind agil. Wir arbeiten mit Scrum!

„Changing practices is one thing; changing minds is quite another.“ 
// Mike Cohn

„Wir nutzen ein Kanban. Wir sind agil.“ Egal wie man es dreht oder wendet, diese Aussagen höre ich oft in Erstgesprächen oder während meiner Begleitung bei Kunden. Eine Trainingsteilnehmerin sagte letztens passend zu Beginn: „Ich würde gerne wissen, ob da noch mehr ist, als Post-its hin und her zu schieben.“ 

Sehr viele Unternehmen haben sich in den letzten Jahren lediglich der Methodik zugewandt. Die Mitarbeiter blieben dabei auf der Strecke. Trotzdem finden sich in jeder Selbstdarstellung – neben dem reichhaltigen Obstangebot – eine Reihe an Schlagworten, die ein „agiles Bild“ mit entsprechenden „Mindset“ zeichnen. „Agil“ bedeutet dann zum Beispiel in der Praxis, dass Scrum „passend gemacht“ wird, die Vorgesetzten Selbstorganisation verordnen, die Führungskräfte denken, dass sie sich nicht verändern müssen, Teams nicht autonom entscheiden können oder interdisziplinär aufgestellt sind und Hierarchien auf- anstatt abgebaut werden. Vieles davon läuft in Kombination mit politischen Rangeleien, Intransparenz, schlechter Kommunikation, fehlender Vision, nicht gelebter Fehlerkultur oder Veränderungswille. 

All das ist Alltag und zeichnet ein ganz anderes Bild, als die Selbstdarstellung der Unternehmen nach außen. Scrum löst diese Probleme nicht, sondern macht sie sichtbar. Nur Menschen können diese Probleme lösen. Die Mitarbeiter erlangen in den oben beschriebenen Szenarien eine wesentliche Erkenntnis: So nicht! Und diese Haltung kann sehr viele Facetten haben. Aber zum Glück sind wird ja agil! 

Einmal im Quartal halte ich meine Leser mit einer persönlichen Randnotiz zu agilen Themen auf den Laufenden. Lesen Sie mit und melden Sie sich hier an.