Gastbeitrag: Faule Projektmanager

Gastbeitrag: Sven Röpstorff www.agiletransparency.com

Im letzten Jahr hatte ich das große Vergnügen, an einem Vortrag von Peter Taylor teilzunehmen. Peter sagt von sich selbst, dass er ein Lazy Projectmanager sei. Diese provokante Bezeichnung macht natürlich neugierig. Nun haben wir vermutlich alle in der Schule gelernt, dass das englische Wort „lazy“ auf deutsch „faul“ bedeutet. bab.la Wörterbuch übersetzt „lazy“ mit „faul“, „langsam“, „träge“ und „lustig“. Keine dieser Übersetzungen wird aber einem Lazy Projectmanager gerecht.

Peter bringt das Beispiel des preußischen Generalfeldmarschalls Helmuth Karl Bernhard Graf von Moltke (*1800 – †1891), der seine Offiziere in vier Kategorien eingeteilt hat:

  • Kategorie A: dumm und faul
  • Kategorie B: intelligent und tatkräftig
  • Kategorie C: dumm und tatkräftig
  • Kategorie D: intelligent und faul

Die Offiziere der Kategorie A bekamen einfache, wenig herausfordernde Aufgaben. Vielleicht hatten sie irgendwann mal eine gute Idee, ansonsten störten sie aber auch nicht weiter. Karriere? Keine.

Von den Offizieren der Kategorie B glaubte Moltke, dass sie Micro-Management-Fanatiker seien. Sie waren dafür gut, Befehle sehr exakt und gewissenhaft auszuführen. Sie kletterten die Karriereleiter etwas hinauf, kamen aber über bestimmte Level nicht hinaus, weil sie keine echten Leader waren.

Die C-Offiziere hielt Moltke für gefährlich. Durch die Kombination von Dummheit und Tatkraft mussten sie andauernd kontrolliert werden und haben Probleme oft schneller generiert als sie gelöst werden konnten. Ebenso wie bei den A-Typen gab es keine Karrierechancen.

Bleiben die Offiziere vom Typ D, die intelligent-faulen. Durch ihre Intelligenz waren sie in der Lage, die richtigen Entscheidungen zu treffen und Aufgaben zu verteilen und ihre Faulheit sorgte dafür, dass die einfachsten Wege beschritten wurden, um das Ziel zu erreichen. Anders formuliert: Sie waren effektiv und effizient. Karrierechancen? Nach oben offen.

So, jetzt darf jeder für sich entscheiden, zu welcher Kategorie er gehört bzw. gehören möchte. Ich beanspruche für mich eine Tendenz zu Kategorie D, weil mich z.B. wiederkehrende Routineaufgaben immer tierisch nerven und ich Wege suche, sie entweder ganz zu kippen oder zumindest durch Templates oder Automatisierungen weitestgehend zu vereinfachen.

Ich habe dazu ein schönes Beispiel aus meiner Vergangenheit. Ich war seinerzeit Projektportfoliomanager bei einer Versicherung. Jeden Monat kamen die Projektstatusberichte herein und mussten zu einem konsolidierten Projektstatusbericht für den Vorstand verdichtet werden. Dies hat anfangs bis zu 4 Tage(!) gedauert. Jeden Monat. Die Kollegin, die diesen Bericht regelmäßig erstellt hat, hat dann irgendwann das Unternehmen verlassen und plötzlich blieb die Arbeit an mir hängen. Um es kurz zu halten: Ich habe mir damals ein Excel-Makro geschrieben, das mir den konsoldierten Bericht erstellt hat und nachdem alle Einzelberichte eingetroffen waren, konnte ich den konsolidierten Statusbericht in 4 Sekunden(!) erzeugen.

In Projekten achte ich darauf, dass jeder seine Rolle kennt und sie auch wahrnimmt. Gestern z.B. versuchte ein Product Owner, mir die Verantwortung für das Product Backlog rüberzuschieben. Ein freundliches, aber bestimmtes „Nein“ hat Wunder gewirkt. Warum soll ich den Job von anderen machen? Dazu bin ich viel zu faul.

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5 Kommentare

  • Andree Wille

    19. Februar 2010

    Hallo Sven,

    interessante Theorie! Was mir dazu einfällt ist, dass wenn man der Kategorie D zugehörig ist und auf Grund dessen die Karriereleiter immer weiter nach oben marschiert, könnte es passieren, dass irgendwann die intelligenz nicht mehr für die Aufgaben ausreichen und man dann quasi in die Kategorie A übergeht.

    Viele Grüße,
    Andree

    Reply
  • Eberhard Huber

    20. Februar 2010

    Hallo, an der Typisierung ist was dran, interessant, dass sie aus dem Militär stammt, viele Grüße Eberhard

    Reply
  • Sven Röpstorff

    20. Februar 2010

    Moin Andree,

    vielen Dank für Deinen Kommentar. Du hast recht, aber auch dafür gibt es ein Modell: Das Peter-Prinzip (http://de.wikipedia.org/wiki/Peter-Prinzip). In einem Satz lautet es:

    „In einer Hierarchie neigt jeder Beschäftigte dazu, bis zu seiner Stufe der Unfähigkeit aufzusteigen.“

    Insofern ist die Karriereleiter der Kategorie wohl nur bis zu dieser Stufe nach oben offen.

    Viele Grüße,
    Sven

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